Bericht über den Weltmarkt für Edelmetalle für das 3. Quartal 2020

Mgr. Libor Křapka, Geschäftsführer von IBIS InGold®, a. s.

20. 10. 2020

Während die Wirtschaft mit den ersten Auswirkungen der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie in Form von sinkenden Umsätzen, sinkenden Preisen für gewerbliche Immobilien, steigenden Kosten und Schulden konfrontiert ist, setzt Gold seinen erfolgreichen Aufwärtstrend fort und wird diesen Trend voraussichtlich auch weiter beibehalten.

2. Oktober 2020, Prag – Das dritte Quartal hat in der Geschichte des Goldes einen neuen Rekord aufgestellt. Der Goldpreis vom 6. August 2020 erreichte einen Wert von 2 074 USD pro Feinunze und überschritt so sein historisches Maximum von 2011 um mehr als 150 USD. Bis dahin hat Gold 9 Wochen lang kontinuierlich zugelegt, was die längste Periode kontinuierlichen Wachstums in den letzten 10 Jahren darstellt. Alle sind jedoch davon überzeugt, dass dies erst der Anfang ist. Der echte und stetige Anstieg des Goldpreises liegt noch vor uns.

Die Situation in der Wirtschaft erinnert immer noch an die erste und letzte Reise der legendären Titanic, als nach dem Aufprall auf einen Eisberg die ersten Passagiere im Unterdeck ertranken, während auf den Oberdecks immer noch getanzt wurde. Bisher ist sich niemand dessen bewusst, was das Herunterfahren der Wirtschaft im März und die sich jetzt abzeichnende zweite Welle der Pandemie für die Weltwirtschaft bedeuten werden. Der Rückgang der Pkw-Verkäufe gegenüber dem Vorjahr beträgt rund 30%. Die Autohersteller sind nicht nur die treibende Kraft der europäischen Wirtschaft. Jetzt arbeiten sie zwar wieder im normalen Modus, produzieren aber auf Lager. Alle fangen an zu sparen und niemand kauft neue Autos. Einen Rückgang verzeichneten auch die Preise für gewerbliche Immobilien. Die Immobilienagenturen selbst sprechen jetzt von einem Preisrückgang der Büro- und Gewerbeflächen um 20%. Die Gewerbeimmobilienpreise sind immer die preisempfindlichsten. Wohnimmobilien reagieren preislich immer erst mit Verzögerung. Der Grund ist klar. Ein Büro zu verlassen ist einfacher als die Wohnung oder das Haus, in dem wir leben. Der Preisverfall aller Immobilien ist jedoch schon nahe. Die Aufschubfrist für Hypothekenzahlungen endet im Herbst, und erst dann wird sich zeigen, wie viele Haushalte nicht in der Lage sein werden, ihre Hypotheken zurückzuzahlen, und die Banken werden gezwungen sein, diese Immobilien zu veräußern.

Eines der wichtigsten Signale für institutionelle Anleger und Privatanleger, das deutlich zeigt, dass Gold das richtige Kapital ist, dass in den kommenden Jahren glänzen wird, ist die Investition von Warren Buffett in eins der größten Goldminenunternehmen, die Gesellschaft Barrick Gold. Sein Investmentfond gab Ende August bekannt, dass er für mehr als eine halbe Milliarde Dollar Aktien dieser Gesellschaft gekauft habe. Dies ist ein Zeichen dafür, dass Warren Buffett, der Gold eher skeptisch gegenüberstand, seine Strategie geändert hat und Gold als wichtigen Teil seines Portfolios betrachtet. Es ist auch wichtig zu wissen, dass das Orakel aus Omaha, wie Warren Buffett manchmal auch genannt wird, kein Papiergold, sondern de facto physisches Gold gekauft hat. Die Goldminenunternehmen profitieren nämlich nicht vom Handel mit Papiergold, sondern nur von der wachsenden Nachfrage nach physischem Gold. Gleichzeitig veräußerte der amerikanische Investor wichtige Anteile an amerikanischen Banken, und zwar an der JP Morgan, Wells Fargo, und verkaufte vollständig seine Anteile an der Investmentbank Goldman Sachs.

Es hat sich nicht nur das Verhalten privater Investoren, sondern auch von Zentralbanken und Institutionen geändert. Die US-Zentralbank FED kündigte im dritten Quartal eine Änderung ihrer Politik und ihrer Perspektiven bezüglich Inflation und Arbeitslosigkeit an. Früher verfolgte sie hauptsächlich das Inflationsniveau und erst anschließend die Arbeitslosigkeit. Jetzt hat sie bekanntgegeben, dass der wichtigste Indikator die Arbeitslosigkeit sein wird und dass sie ihre Politik entsprechend anpassen wird. Mit anderen Worten bedeutet das, dass sie kein Problem mit einer höheren Inflation habe, wenn die Beschäftigungsquote nicht abfällt. Das ist ein weiteres Argument für den Besitz von Gold, da Gold bereits seit der Antike ein Hüter des Wertes ist. Es ist klar, dass eine höhere Inflation dazu beitragen soll, die enorme Verschuldung zu reduzieren, die jetzt stetig zunimmt, um die wirtschaftliche Stabilität aufrechtzuerhalten. Eine angemessene Inflation kann das Funktionieren der Wirtschaft unterstützen. Es zwingt Firmen und Privatpersonen, Geld auszugeben, da das Geld immer noch einen Teil seines Wertes verliert und es nicht gut ist, es auf Bankkonten zu bunkern. Andererseits kann die Inflationsrate sehr schnell außer Kontrolle geraten. Ein Beispiel ist der Libanon, der früher "Schweiz des Nahen Ostens" genannt wurde, wo es noch im vergangenen Jahr fast keine Inflation gab und in diesem Jahr 25% erreicht. Ein weiteres Beispiel ist die Türkei, wo die Nachfrage nach physischem Gold alle Rekorde übertrifft und der Grund die massive Abwertung der türkischen Währung ist. Präsident Erdogan ist dann gezwungen, die Aufmerksamkeit des Volkes auf etwas anderes zu lenken, und provoziert so nicht nur Konflikte mit dem traditionellen Rivalen Griechenland, sondern beteiligt sich jetzt auch am Kampf um Berg-Karabach, wo er mit Russland konkurriert, das Armenien unterstützt, während die Türkei auf der Seite Aserbaidschans steht.

Das wichtigste Ereignis bis Ende des Jahres werden die amerikanischen Präsidentschaftswahlen sein. Und nicht nur die Wahlen selbst, sondern eher die anschließende Stimmenauszählung und die Änderungen in den Ergebnissen, die die per Post gesendeten Stimmen bringen können. Diese Wahlmethode wird zurzeit viel häufiger angewendet als in der Vergangenheit, und Präsident Trump, der jetzt mehr als 10% hinter seinem Gegner zurückliegt, hat hören lassen, dass er diese Stimmen anzweifeln wird. Dies kann in die Wahl des Oberhauptes eines Staates mit der stärksten Wirtschaft und dem größten politischen Einfluss Chaos bringen, und die Unsicherheit kann weitere Unruhen schüren, die in den Vereinigten Staaten bereits an der Tagesordnung sind.

Deshalb kauft nicht nur Warren Buffett Gold. Die Nachfrage nach physischem Gold ist immer noch hoch, und sein Besitz ist möglicherweise die einzige Sicherheit in einer unsicheren Welt, die uns hilft, unsere Freiheit und Unabhängigkeit zu schützen.

 

Edelmetalle im 3. Quartal 2020 

 
Gold
Silber
Platin
Palladium
Höchster Preis USD/oz
2 074,70
29,82
1 009,00
2 419,00
Datum
6. 8. 2020
6. 8. 2020
10. 8. 2020
21. 9. 2020
Niedrigster Preis USD/oz
1 759,90
17,84
805,00
1 890,00
Datum
1. 7. 2020
1. 7. 2020
2. 7. 2020
3. 7. 2020

Edelmetalle im 3. Quartal 2020 

Gold
Höchster Preis USD/oz
2 074,70
Datum
6. 8. 2020
Niedrigster Preis USD/oz
1 759,90
Datum
1. 7. 2020
Silber
Höchster Preis USD/oz
29,82
Datum
6. 8. 2020
Niedrigster Preis USD/oz
17,84
Datum
1. 7. 2020
Platin
Höchster Preis USD/oz
1 009,00
Datum
10. 8. 2020
Niedrigster Preis USD/oz
805,00
Datum
2. 7. 2020
Palladium
Höchster Preis USD/oz
2 419,00
Datum
21. 9. 2020
Niedrigster Preis USD/oz
1 890,00
Datum
3. 7. 2020

 

Gold – Im August verzeichnete Gold seinen höchsten historischen Wert. Am Ende des Quartals fiel er auf 1.900 USD pro Unze. Die aktuellen Preise sollten für weitere Einkäufe genutzt werden. Die Schätzungen der Analysten zu weiteren Preisentwicklungen variieren, aber keiner von ihnen spricht von einem Preis unter 2.000 USD pro Feinunze. Einige Schätzungen des Goldpreises für das nächste Jahr liegen bei 5.000 USD.

Silber – Der Silberpreis bewegt sich bisher unter den Erwartungen. Es ist weit entfernt von seinen historischen Höchstständen. Sein Preiswachstum wird von der Angst vor einem wirtschaftlichen Abschwung gebremst. Im Gegensatz zu Gold ist Silber zu 50% ein Industriemetall. Sein Preis kann schnell steigen, hauptsächlich aber aufgrund von Spekulationen. Dann muss man sehr schnell reagieren und das Silber verkaufen, anstatt es langfristig zu halten. Die Preisvolatilität für dieses Metall ist gefährlich hoch.

Platin – Der Haupttreiber des Platinpreises ist nach wie vor die Nachfrage aus der Automobilindustrie. In der ersten Jahreshälfte verzeichneten die europäischen Automobilhersteller einen Umsatzrückgang von 48 %. Der Gesamtrückgang in den ersten drei Quartalen wird auf über 30% geschätzt. In den Minen in Südafrika wird bereits nach Standardmodi abgebaut, sodass die Lieferungen auf den Markt reibungslos verlaufen, was auch nicht zu Preiserhöhungen beiträgt. Die Unterstützung liegt bei 800 USD pro Unze, wobei ein Preisverfall immer nach Überschreiten der 950 USD-Marke erwartet wird. Langfristig ist für Platin die Entwicklung des Wasserstoffantriebs interessant, bei dem Platin eine wichtige Rolle spielt. 

Palladium – Der Preis für Palladium wird ebenfalls am stärksten von der Nachfrage seitens der Automobilindustrie beeinflusst. Dies ist aufgrund des Ausbruchs der Krise deutlich begrenzt. Ein wichtiger Markt für Palladiumkatalysatoren sind die USA, wo die meisten Benzinmotoren gleich nach China verkauft werden. Der Palladium-Preis wurde daher negativ durch ein Dekret des Gouverneurs von Kalifornien beeinflusst, in dem er bekanntgab, dass ab 2035 im Bundesstaat keine Neuwagen mit Verbrennungsmotoren mehr verkauft werden könnten. Eine weitere negative Nachricht ist, dass in den USA im nächsten Jahr ein Rückgang der Autoverkäufe um 15% erwartet wird. Mit einer reibungslosen Lieferung der Minen in Südafrika ist dies ein Druck auf die Senkung des Weltpreises für Palladium.