Bericht über den Weltmarkt für Edelmetalle für das 4. Quartal 2021

Mgr. Libor Křapka, Geschäftsführer von IBIS InGold, a. s.

14. 01. 2022

Die FED, die eine geplante Leitzinssatzerhöhung ankündigte, hat wohl nicht genug dafür getan, um eine hohe Inflation zu verhindern. Zumindest laut Markt. Der Goldpreis stieg im letzten Quartal 2021 um 3,5 %. Das wachsende Interesse an Gold wird durch die negativen Realzinssätze auf der ganzen Welt unterstützt, die de facto zeigen, wie auf Geschäftsbankkonten eingezahltes Geld abgewertet wird. Aber nicht nur Privatpersonen kaufen, auch Zentralbanken halten eine Rekordmenge an Gold.

 

10. Januar 2022, Prag – Gold hat im letzten Quartal dieses Jahres um 3,5% zugelegt. Damit begann es den Verlust vom Jahresbeginn aufzuholen, und auch dank dieser Stärkung im letzten Quartal ist der Goldpreis beim Vergleich der Spotpreise vom ersten Januar 2021 bis zum letzten Dezember 2021, nur um 3,7 % zurückgegangen. Für Gold ist es das schlechteste Jahr seit 2015. Wenn wir jedoch die beiden vorangegangenen Jahre miteinberechnen, hat sich Gold seit 2019 um 39 % erholt, was es zu einem der am besten verdienenden Finanzinstrumente auf dem Markt auch für normale Bürger macht.

Einige Analysten sehen den Rückgang von Gold als Problem an. Leider ist ihnen jedoch nicht bewusst, dass der Goldpreis bereits 2019 und dann noch stärker im Jahr 2020 stark gestiegen ist, und Gold mit diesem Wachstum auf die Inflationserwartungen reagiert und nicht darauf gewartet hat, dass die Inflation tatsächlich eintrifft. Es ist logisch, dass der Goldpreis, nachdem er in zwei Jahren um über 40 % gestiegen ist, nun eine Pause eingelegt hat. Vielmehr verwundert es, dass die Kurskorrektur nur so gering ausfiel.

Im vierten Quartal hatte die November-Sitzung der US-Notenbank großen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Edelmetallpreise, bei der die FED indirekt das Problem der steigenden Inflation zugab und ankündigte, die Anleihekäufe zu drosseln und mit der Erhöhung der Zinssätze bereits im Jahr 2022 zu beginnen und das in mindestens drei Schritten. Schritte. Die Anhebung der Zinssätze auf den US-Dollar ist für Edelmetalle und insbesondere für Gold sicherlich nicht positiv. Gold reagierte jedoch überraschend mit Wachstum, da der Markt zu dem Schluss kam, dass die Reaktion der US-Notenbank auf die Inflation unzureichend war und die Inflation viel schneller steigen würde als die Zinsen, wodurch das Geld weiter abgewertet würde.

Analysten der Investmentbanken Goldman Sachs und Wells Fargo rechnen aufgrund der wenig überzeugenden Reaktion der US-Notenbank für dieses Jahr mit einem Anstieg des Goldpreises auf 2 000 USD pro Unze, also eine Preiserhöhung von mindestens 10 %. Eine Unze Anlagegold könnte somit in tschechischen Kronen für einen Betrag von über 2 000 EUR verkauft werden.

Es ist auch wichtig, den Realzinssatz zu berücksichtigen, d. h. die von der Zentralbank angekündigten Zinssätze abzüglich der Inflationshöhe. Diese Sätze sind in allen Volkswirtschaften der Welt im negativen Bereich. In den USA liegt er bei über -6 %, in der Eurozone bei über -5 %. Es ist sehr gut, den Realzinssatz genau zu beobachten. Liegen die Zinsen im negativen Bereich, zeigen sie uns de facto, um wie viel Prozent die Kaufkraft des Geldes, das auf den Girokonten der Banken liegt, jährlich abnimmt. Und gerade die Guthaben auf den Geschäftsbankkonten sind derzeit aufgrund der fehlenden Möglichkeit es auszugeben, aber auch aufgrund der Vorsicht von Bürgern und Unternehmen, historisch am höchsten und verlieren schnell und massiv an Wert. Der Goldpreis ist zwar im gesamten letzten Jahr um fast 4 % in US-Dollar gefallen, aber das Geld auf den Konten hat 6 % verloren, weshalb es sich auch im letzten Jahr definitiv gelohnt hat, Gold zu kaufen.

Das Jahr 2022 wird vom Kampf gegen die hoffentlich bald endende Covid-19-Epidemie geprägt sein, auch wenn hinterhältige Mutationen immer noch unangenehme Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben können. Gerade das erleben wir derzeit. Die Zahl der Erkrankten ist die höchste seit Beginn der Pandemie, die Wirtschaft in Europa und den USA läuft deshalb nur noch auf halber Geschwindigkeit. Dies spiegelt sich auch im Bereich der Edelmetalle wider. Raffinerien, die Anlagebarren produzieren, stehen bereits seit zwei Jahren unter enormem Druck seitens der Käufer, da sie die beispiellose Nachfrage nach Edelmetallen immer noch nicht decken konnten und sich somit die Lieferzeiten für einige Barren bis um mehrere Monate verzögert haben. Allerdings kaufen nicht nur Privatanleger oder normale Bürger. Auch die Zentralbanken kaufen. Der World Gold Council (WGC) hat bekannt gegeben, dass die Banken derzeit mit 36 000 Tonnen eine Rekordmenge an Gold in ihren Reserven haben. Allein in der letzten Dekade haben sie mehr als 4 500 Tonnen auf Lager gekauft. Sie versuchen so immer noch den Dollar in ihren Reserven loszuwerden und ersetzen ihn durch Gold. Dieser Trend wird sich sicherlich fortsetzen.

Die Türkei erlebt derzeit eine traurige Geschichte. Die türkische Währung wurde innerhalb eines Jahres um 36 % abgewertet, und anstatt die Zentralbank arbeiten zu lassen, gibt ihr der autoritäre Führer Erdogan den politischen Auftrag, in einer solchen Situation die Zinsen zu senken. Dadurch wird diese Hyperinflation noch mehr beschleunigt. Glücklicherweise ist dies keine neue Situation für die Türken. Ihre Währung ist bereits in der Vergangenheit mehrfach zusammengebrochen, was dazu geführt hat, dass die Türkei zu einem der größten Goldschmuckmärkte geworden ist. Gold ist in diesem Land ein traditionelles Wertbewahrungsmittel, auf das sich die Menschen seit Jahrhunderten verlassen.

Das Jahr 2022 wird politisch interessant, vor allem in Europa. Das politische Klima ändert sich in den drei größten Volkswirtschaften, was erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft haben kann. Deutschland wird den Abgang von Angela Merkel verarbeiten, in Frankreich wird die Präsidentschaftswahl abgehalten, und die Chancen der extremen Rechten oder Populisten sind nicht gerade gering, und Italien wartet ab, ob Mario Draghi, ihr derzeitiger Retter, den Stuhl des Premierministers durch den von des Präsidenten ersetzen will.

Wir haben also bestimmt ein sehr interessantes Jahr vor uns, und wir glauben, dass Gold als Teil von Portfolios erwartete und unerwartete wirtschaftliche oder politische Turbulenzen mildern und seinen Besitzern, auch zur Unabhängigkeit von Einflüssen verhelfen kann, die nicht so von einem Einzelnen beeinflusst werden können.

 

Edelmetalle im 4. Quartal 2021

 
Gold
Silber
platin
Palladium
Der höchste Preis USD/oz
1 869,00
25,395
1 098,50
2 219,50
Datum
16. 11. 2021
15. 11. 2021
16. 11. 2021
18. 11. 2021
Der niedrigste Preis USD/oz
1 747,70
21,87
919,50
1 590,50
Datum
4. 10. 2021
15. 12. 2021
15. 12. 2021
16. 12. 2021

 

Edelmetalle im 4. Quartal 2021

gold
Der höchste Preis USD/oz
1 869,00
Datum
16. 11. 2021
Der niedrigste Preis USD/oz
1 747,70
Datum
4. 10. 2021
silber
Der höchste Preis USD/oz
25,395
Datum
15. 11. 2021
Der niedrigste Preis USD/oz
21,87
Datum
15. 12. 2021
platin
Der höchste Preis USD/oz
1 098,50
Datum
16. 11. 2021
Der niedrigste Preis USD/oz
919,50
Datum
15. 12. 2021
Palladium
Der höchste Preis USD/oz
2 219,50
Datum
18. 11. 2021
Der niedrigste Preis USD/oz
1 590,50
Datum
16. 12. 2021

 

Gold – hat im letzten Quartal die Grenze von 1 850 USD pro Feinunze überschritten, blieb aber nicht darüber und bewegt sich derzeit zwischen 1 800 – 1 850 USD pro Unze. Für das nächste Quartal erwarten wir ein eher graduelles Wachstum. Entscheidend wird sein, ob die US-Notenbank den Zinssatz wirklich anhebt, wie sie es angekündigt hat, ob diese Erhöhung die Inflation ausreichend deckt, und ob sich die Inflation weiter beschleunigt oder bei etwa 5 % bleibt.

Silber – wartet immer noch auf seine Sternstunde, zu der es laut einigen Analysten schon vor langer Zeit hätte kommen sollen. Im vierten Quartal überstieg es zwar zeitweise die Grenze von 25 USD pro Unze, blieb dort aber nicht lange und fiel dann sogar unter 22 USD je Unze. Zu seinem Glück war es nur kurzzeitig und bewegt sich jetzt im sicheren Bereich von 22-25 USD pro Unze. Sein Preis gegenüber Gold liegt immer noch im Bereich von 70 – 80 Feinunzen Silber für eine Unze Gold. Haupteinfluss auf seinen Preis hat nach wie vor der Goldpreis. Insgesamt war es im Jahr 2021 der zweitschlechteste Rohstoff überhaupt. Sein Preis ist seit Jahresbeginn um 15 % gefallen. Aber auch hier gilt es zu beachten, dass Silber im Jahr 2020 hingegen der profitabelste Rohstoff war, da sein Preis um 48 % stieg.

Platin – bewegt sich immer noch um 1 000 USD pro Unze. Es ist bereits seit zwei Jahren im Gleichgewicht, denn im Jahr 2020 ist sein Preis um 11 % gestiegen und in diesem Jahr um 12 % gefallen. Es sieht so aus, als wäre Platin aus dem Gröbsten raus. Sein dramatischer Abfall nach dem Rückzug der Dieselmotoren liegt bereits hinter uns, die weitere Preisbewegung wird nicht dramatisch sein und es wird sein aktuelles Niveau halten.

Palladium – ging auch im vierten Quartal zurück. Sein Preis ist sogar unter 1 600 USD pro Unze gefallen, wodurch Palladium billiger als Gold geworden ist, was in den letzten wenigen Jahren nicht der Fall war. Er bewegt sich jetzt bei um die 1 900 USD pro Unze. Palladium war im Jahr 2021 der überhaupt schlechteste Rohstoff bezüglich der Rentabilität. Innerhalb eines ganzen Jahres sank sein Preis um mehr als 22 %. Es muss jedoch hinzugefügt werden, dass der Preis in den Jahren 2019 und 2020 insgesamt um 80 % gestiegen ist. Insgesamt ist der Palladiumpreis in den letzten drei Jahren um fast 60 % gestiegen. Der Nachteil von Palladium ist seine hohe Volatilität. Bei einem ähnlichen Preis wie Gold kann es an einem Tag um 300 USD fallen (17. Juni 2021), aber auch um 130 USD zulegen (16. Dezember 2021). Derartige Bewegungen verzeichnet Gold nicht mal in drei Monaten.