Das Ende des Bretton-Woods-Systems: Wie die Gesellschaft für 50 Jahre alte Entscheidungen von Präsident Nixon büßt und wie man sich von deren Folgen befreien kann?

Redaktion IBIS InGold

19. 08. 2021

Es ist fast fünfzig Jahre her, dass sich die US-Wirtschaft (und damit die Weltwirtschaft) um 180 Grad drehte, als der damals mächtigste Mann der Welt, Richard Nixon, das Bretton-Woods-System beendete und den US-Dollar endgültig vom Goldstandard in Richtung Fiat-Währungen lenkte.

 

Es war der 15. August 1971, als der umstrittene US-Präsident Richard Nixon vorübergehend das goldene Fenster schloss und der Dollar nicht mehr durch das Edelmetall gedeckt war.

Im Rahmen des Bretton-Woods-Abkommens hielten die USA drei Viertel des Goldes, und der US-Dollar erlangte den Status einer fest an Gold gebundenen Weltreservewährung (35 USD entsprachen einer Feinunze). Die USA verpflichteten sich, den Dollar bei Bedarf vollständig in physisches Gold umzutauschen. Alle anderen Währungen waren zu einem festen Wechselkurs an den Dollar gekoppelt und konnten jederzeit gegen den Dollar getauscht werden.

Das System funktionierte zunächst gut, aber bald begann sich die Situation zu ändern. Warum? Nun, ein großer Krieg erfordert eine große finanzielle Unterstützung. Und der Vietnamkrieg erhielt diese natürlich von Nixon, selbstverständlich dank des Druckens von immer mehr Dollar. Daher beschloss Nixon, das Bretton-Woods-Abkommen zu beenden und Gold vorübergehend vom Dollar abzukoppeln. Es sollte nur eine vorübergehende Maßnahme sein, die zudem keine Auswirkungen auf die US-Währung haben sollte.

„Die Stärke der nationalen Währung basiert auf der Stärke der nationalen Wirtschaft - und die amerikanische Wirtschaft ist mit Abstand die stärkste der Welt. Daher habe ich den Finanzminister angewiesen, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um den Dollar vor Spekulanten zu schützen.

Ich habe Minister Connally angewiesen, die Konvertibilität des Dollars in Gold oder andere Währungsreserven vorübergehend auszusetzen, mit Ausnahme von Beträgen und Bedingungen, die im Interesse der Währungsstabilität und im besten Interesse der Vereinigten Staaten festgelegt wurden. Was ist also dieser sehr technische Akt und was bedeutet er für Sie? Lassen Sie mich die Vogelscheuche der sogenannten Abwertung begraben“, versuchte er die Bürger bei einer Konferenz auf dem Sommersitz des US-Präsidenten Camp David zu beruhigen.

Nixon ersetzte Gold durch variable Wechselkurse. Es wurde schnell klar, dass Nixons beruhigende Rede nur ein politischer Schachzug oder vielleicht einfach ein Irrtum war. Seitdem verliert nämlich der Dollar schneller als je zuvor an Wert. Und es in Milton Friedmans berühmtem Aphorismus heißt: „Nichts ist so nachhaltig wie ein vorübergehendes Regierungsprogramm.“

Es ist wichtig zu realisieren, dass es eben dieser Schritt war, der im Volksmund „Nixon-Schock“ genannt wird, der nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Gesellschaft grundlegend verändert hat. Die Staatsverschuldung in den USA ist seitdem auf 28,6 Billionen Dollar gestiegen. Wenn wir das auf einen Einwohner des „freisten Landes“ hochrechnen, kommen wir auf knapp 90 000 USD, also fast 76 500 EUR.

Die Generationen, die zu den Zeiten von Reagan, Bush, Clinton, Bush Jr., Obama, aber auch Trump und Biden aufgewachsen sind, haben somit nie erfahren, wie es ist, sorglos in einem schuldenfreien Land zu leben. Darüber hinaus haben die dortigen Löhne in den letzten Jahren stagniert, was in Kombination mit der steigenden Inflation einen starken Rückgang des Lebensstandards und eine zunehmende soziale Schere bedeutet. Amerikanischer Traum ade.

 

Stürmische Zeiten für Fiat und der Weg in die Sicherheit 

Die heutige Zeit ist nicht nur von den Folgen der Fehlentscheidungen der Vergangenheit geprägt, sondern befindet sich gleichzeitig, 50 Jahre später, in einer ganz ähnlichen wirtschaftlichen Situation wie damals.

Ein Jahr nach der Rezession, im August 1971, lag die Arbeitslosigkeit in den USA bei 6,1 %, die Inflationsrate bei 5,4 % und der Geldumlauf in den USA stieg um 13,3 %. Die neuesten Daten aus diesem Jahr zeigen, dass Arbeitslosigkeit und Inflation in den USA im Juli 5,4 % betrugen und der Geldumlauf im Juni um 12,2 % anstieg.

Ein wesentlicher Unterschied liegt jedoch in den Schritten der Notenbank der FED. Die Zentralbank von Amerika erweiterte nämlich ihre Bilanz durch den Kauf von Vermögenswerten und eine deutliche Senkung der Zinssätze, wobei die FED den Leitzins während Nixons Umlenkung von Gold auf 5,75 % anhob. Es muss hinzugefügt werden, dass auch dies die Inflation nicht verhinderte.

Auch heute soll die Tätigkeit der Zentralbank die Inflation regulieren, und wenn es zu einer höheren Inflation kommt, wird es laut Bank nur vorübergehend sein. Aber von den vorübergehenden Maßnahmen wurde oben gesprochen, oder? Und daher stellt sich die Frage, ob die FED diesmal wieder falsch liegt. Andererseits wertet selbst eine niedrige Inflation die Währungen ab.

Aber was die Kaufkraft hält, selbst nach all den Jahren des Fiat-Dollar-Floatings, ist Gold. Davon zeugt auch die Tatsache, dass 1971 die VW-Käfer-Limousine 1 780 Dollar oder 48 Feinunzen Gold kostete. Die Preise für den Käfer 2021 beginnen heute bei 28 475 USD oder 16 Unzen Gold. Zufälligerweise liegt der aktuelle Wert des Käfers von 1971 im Originalzustand bei rund 28 000 USD.

Auch trotz der Tatsache, dass die Realzinsen in Zukunft sehr wahrscheinlich sinken werden, und auch trotz der Tatsache, dass sie wahrscheinlich in den negativen Bereich fallen werden, und auch obwohl die Zahlen auf dem Konto inflationsbedingt einen immer geringeren Wert haben werden, wird Gold weiter steigen und das repräsentieren, wozu die Geschichte es prädestiniert hat. Einen sicheren Hafen und einen universellen Wertbewahrer.