Der Goldpreis kann 2022 wieder ansteigen. Das liegt an den Zinsen

Redaktion IBIS InGold

29. 12. 2021

Der Goldpreis dürfte 2022 wieder ansteigen. Dies geht aus der Prognose des Investmentfonds BlackRock hervor. Dieser verwaltet ein Vermögen von rund 9 Billionen US-Dollar und ist einer der größten Player auf dem Markt. Haupttreiber für das Preiswachstum des Edelmetalls sind laut BlackRock die niedrigen Realzinsen sowie die Nachfrage der Amerikaner nach Vermögenswerten, die ihre Anlagen vor dem zu erwartenden Kursrückgang schützen.

 

„Historisch gesehen stellt die Zeit, in der die Stimmung gegenüber Gold und Goldfonds sehr negativ geworden ist, in der Regel Kaufgelegenheiten dar“, sagte Evy Hambro, Global Head und Sektor-Investmentmanager bei BlackRock. Damit widerlegte er die Annahme, dass der Goldpreis im nächsten Jahr eher sinken sollte. Auch wenn Gold seiner Meinung nach in relative Ungnade gefallen ist, ist ein weiteres Wachstum wahrscheinlicher.

Im Jahr 2021 floss Geld aus Goldfonds, die an der Börse gehandelt und mit physischem Metall gedeckt sind. SPDR Gold Shares, der größte Gold-ETF-Fonds, verzeichnete in diesem Jahr bisher einen Nettoabfluss von mehr als 10 Milliarden USD, den höchsten seit 2013, und dieses Volumen entspricht rund 193 Tonnen Gold. Ein möglicher Preisrückgang kann laut Hambr beispielsweise ein steigendes Interesse an einer Investition gerade in diese Fonds bedeuten.

Auch die Annahme einer weiteren Inflation könnte sich widerspiegeln. Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve hat seine mediane Inflationsprojektion im Jahr 2022 von 2,2% auf 2,6% revidiert, und die US-Zentralbank Fed hat einen Plan aufgestellt, um die Zinsen in den kommenden Jahren anzuheben, beginnend mit drei Erhöhungen im Jahr 2022.

„Das sind Realzinssätze, die für Gold der wichtigste Faktor sind, und diese werden von Zinssätzen und Inflationserwartungen bestimmt“, sagte Hambro. Seiner Meinung nach sollten die Menschen in Gold investieren, um sich zu diversifizieren. Die Aktienmärkte bewegen sich auf historischen Höchstständen und mit einem so angespannten Aktienmarkt ist ein erhebliches Risiko weiterer wirtschaftlicher Folgen der Pandemie verbunden.

Laut Rhony O’Connell, Chefanalystin bei der Gruppe StoneX, zeigt Gold das Vertrauen der Anleger in die heutige Gesellschaft, und die ist heute sehr schwankend. Auch Sie weist in ihrer Prognose darauf hin, dass der Goldpreis im nächsten Jahr gerade wegen der Negativzinssätze in vielen Ländern wieder ansteigen könnte. Würden diese sich erhöhen, würde die Investitionslust etwas nachlassen. Das einzige Risiko könnte der zyklische Wandel sein, den wir 2013 erlebt haben, als sich die ETF-Fonds fast 900 Tonnen Gold entledigt haben. Dies würde den Markt entgleisen lassen, aber eine Überschussliquidität im System deutet darauf hin, dass dies unwahrscheinlich ist. Somit bleiben die Realzinssätze in den negativen Zahlen, selbst wenn sich herausstellen würde, dass die Inflation vorübergehend ist.

 

Realzinssätze* – November 2021
Argentinien
-14,1 %
USA
-6,7 %
Türkei
-5,4 %
Eurozone
-5,4 %
Polen
-5,1 %
Norwegen
-4,9 %
Kanada
-4,5 %
Neuseeland
-4,2 %
Großbritannien
-4,1 %
Dänemark
-4,0 %
Tschechische Republik
-3,3 %
Australien
-2,9 %
Schweden
-2,8 %
Südkorea
-2,7 %
* Der Realzinssatz berechnet sich aus der Differenz zwischen den von der Zentralbank des Landes festgelegten Zinssätzen und der aktuellen Inflationsrate. Man kann auch sagen, dass die Realzinssätze zeigen, wie auf Bankkonten hinterlegtes Geld aufgewertet oder abgewertet wird. Gegenwärtig verlieren Bankeinlagen in den meisten Ländern an Wert.

 

Sollte die Welle des starken Dollars wirklich zu Ende gehen, dürfte Gold im nächsten Jahr bei rund 1 900 USD pro Feinunze liegen. Silber kann auf die gleiche Weise gedeihen. O’Connell betont jedoch eine höhere Volatilität, weshalb sie es meist geduldigen Anlegern empfiehlt.