Gold wird dieses Jahr Rekordhöhen erreichen. Hohe Zinsen würden ihn auf dem Weg nicht drohen, sagt der Experte

Redaktion IBIS InGold

11. 04. 2022

Neben den schrecklichen Schicksalen der Menschen vor Ort wirft der Krieg in der Ukraine auch die Frage auf, wie die Menschen im Rest der Welt leben werden. Die verschärfte geopolitische Lage trägt nämlich erheblich zur Geldentwertung und extrem schnellen Preissteigerungen bei. Anthony Bamber von The Royal Mint fasste beim ETF Stream-Webinar zusammen, wie Gold unsere Ersparnisse in einer so schwierigen Zeit schützt und wie man das Beste aus seinen Dienstleistungen herausholt.

 

Laut Bamber gibt es in der Wirtschaft derzeit zahlreiche unbekannte Variable. Aus diesem Grund tendieren Anleger eher zu Rohstoffen als zu irgendetwas anderem. Insbesondere Gold wird jetzt als Anlage verwendet, um die Ersparnisse seiner Anleger in einem schlechten Wirtschaftsklima zu schützen.

„Ende Februar haben wir einen Anstieg des Goldpreises um etwa 6 % verzeichnet, was der größte monatliche Anstieg seit Mai 2021 war“, beschrieb Bamber und fügte hinzu, dass Gold seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine wieder zu seinen Höchststand zurückgekehrt sei. Aber nicht nur die Eskalation des Konflikts allein war dafür verantwortlich. Ihm zufolge wurde dieser eher von den beiden grundlegenden Motoren des Goldpreises beschleunigt, nämlich der Inflation und der Wirtschaftskrise.

 

Funktioniert Gold als Schutz vor der Inflation?

Wir konnten uns bereits in der Vergangenheit davon überzeugen, dass Gold mehr als nur eine Absicherung gegen Inflation funktioniert. Das bestätigte auch Anthony Bamber bei dem bereits erwähnten Webinar. Die Fallstudie zeigte, dass Gold seinen Anlegern bei einem Anstieg der Inflation auf 3 % eine Steigerung von bis zu 14 % bescherte. Die Anleger machten damals einen erheblichen Gewinn mit ihrem Geld. Es gibt immer noch eine Reihe von Mythen über die Rolle von Gold in Zeiten der Inflation, die Eric Strand, CEO von AuAg Funds, versuchte zu widerlegen.

„Die Leute denken, dass hohe Zinsen nicht gut für Gold sind, weil Gold keine Dividenden hat“, sagte Strand. „Aber wenn man sich die letzten beiden Zyklen ansieht, hatte Gold selbst in Zeiten, in denen die Zinsen zu steigen begannen, aber auch später, als die Zinsen gesenkt werden mussten, hervorragende Renditen“, kommentierte er den Mythos. Seiner Meinung nach liegt die Herausforderung für Gold eher in der Debatte über die Zinserhöhung als in der Erhöhung selbst.

Laut Strand ist Gold eine ideale Geldanlage für Menschen, die vor allem ihre Ersparnisse sichern und vor Wertverlust schützen wollen.

 

Und wie wird der Goldpreis aussehen?

Hohe Zinsen und Inflation werfen die Frage auf, ob es sinnvoll ist, in Gold zu investieren, und was uns das Edelmetall in naher Zukunft bringen wird. Auf diese Frage antwortete auch Heng Koon, Anlagestratege bei UOB, einer der größten Banken Asiens, in einem Interview für Bloomberg ebenfalls.

„Die Inflation ist derzeit ein echtes Thema, von dem wir von allen Seiten hören. Die Unternehmen haben ein Problem mit ihren Lieferketten, das durch Covid und die russische Invasion in der Ukraine noch verschärft wurde“, beschrieb Koon das Problem. Ihm zufolge sei eine große Verlangsamung des Wirtschaftswachstums nicht zu befürchten, aber die Frage sei, wer sich die Ware leisten könne.

Mit dem wachsenden Bedürfnis der Anleger, sich gegen die Inflation zu wehren, wird auch die Nachfrage nach Gold weiter steigen, dessen Angebot allerdings relativ begrenzt ist, da einige Unternehmen die Lieferung russischer Barren und Münzen eingestellt haben. Infolgedessen könnte Gold im Laufe dieses Jahres einen Preis von 2 200 USD pro Feinunze erreichen. Der Preis für eine Unze des Goldbarrens Lady Fortuna könnte sich somit 2 400 EUR nähern.

Aus diesen Prognosen geht hervor, dass das Edelmetall auch in der aktuellen Krise ein Schritt in den sicheren Hafen und eine Möglichkeit sein wird, Ihr Geld vor seiner Entwertung zu schützen. Tatsächlich ist es unwahrscheinlich, dass höhere Zinsen den Goldpreis senken, und der Wunsch, die Ersparnisse zu schützen, wird den Anlegern ein weiteres Gold-Jahr bescheren.